Günter Grass – ein deutscher Autor oder ein Literat von Weltformat?

In vorliegender Arbeit mache ich den Versuch, das Schaffen von Günter Grass darzustellen, um damit die Frage zu beantworten, ob er „nur“ als ein deutscher Autor, oder eher als ein weltbekannter Literat einzustufen ist.

Günter Grass (Pseud. Artur Knoff) wurde am 16. Oktober 1927 in Danzig geboren. Vom Vater her war er deutscher Abstammung und von der Mutter – kaschubisch-polnischer. Er ist deutscher Prosaist, Dramatiker und Essayist. Er gehörte zur „Gruppe 47“, die im September 1947 von Hans Werner Richter gegründet wurde (Szyrocki 1971:378). Die Tatsache, dass Grass seine Jugend in Danzig verbracht hat, beeinflusste stark sein späteres Schaffen. Während des Krieges war er bei Hitlerjugend. Bis 1946 befand er sich in amerikanischer Gefangenschaft (Brauneck 1995:263).

Das literarische Schaffen

Die BlechtrommelSein literarisches Schaffen begann er mit „verschlüsselter und verspielter Lyrik voll Ironie und Witz mit phantastischen Wortspielen und skurrilen Metaphern“ (Wilpert 1988:271). Er hat auch Kurzdramen, Farcen, Burlesken und Ballettlibretti verfasst, wonach zum Wort politisch engagierte Stücke kamen, die als eine gewisse Auseinandersetzung mit Zeitströmungen fungierten. In den Jahren 1956-1959 war er in Paris, wo er an seinem Roman „Die Blechtrommel“ (1959) gearbeitet hat. Während der Stoffsammlung für das Werk hat er im Jahre 1958 Danzig besucht und seit dieser Zeit zur Stadt an der Mottlau mehrmals zurückgekehrt. Mit diesem Roman, der die Wirklichkeit des 20. Jahrhunderts, die Hitler- und Kriegszeit erzählt, gelang Grass an die Spitze der Weltliteratur (Zybura u.a. 1996:106). „Die Blechtrommel“ gehört neben „Katz und Maus“ (1961) und „Hundejahre“ (1963) zu der sog. Danziger Trilogie. Diese drei Werke haben gemeinsame Ereignisse und Figuren, trotzdem können auch als selbständige Bücher angesehen werden. Für sein Lebenswerk erhielt Grass im Jahre 1999 den Nobelpreis für Literatur. Das ist die größte Auszeichnung, die die Verfasser aus aller Welt für ihr Schaffen bekommen können. Meines Erachtens zeugt die Tatsache, dass Grass den Preis verliehen bekommen hat, davon, dass er als ein Literat von Weltformat zu bezeichnen gilt.

Über das Leben und Werk von Grass sind hunderte wenn nicht tausende kritische Veröffentlichungen entstanden, weil er zur Elite der Klassiker von gegenwärtiger Literatur gehört. In seiner Prosa steht die Wirklichkeit neben dem märchenhaften Unwirklichen, was dem Leser zahlreiche Anstöße zum Nachdenken und zur Interpretation gibt. Demzufolge gilt er einerseits als ein Märchenerzähler, der die bunte und manchmal imaginäre Welt darstellt, andererseits sieht man ihn als einen strengen Kritiker der deutschen Gesellschaft und Geschichte, der die Ideologien, Legenden, aber auch die Lügen der Politik und Philosophie verspottet. In seinen Werken sind des Öfteren auch Elemente über Polen zu finden (Zybura u.a. 1996:106).

Danziger Trilogie

Ich möchte mich noch kurz auf drei Werke von Günter Grass konzentrieren, nämlich auf diese, die zur Danziger Trilogie gehören, also: „Die Blechtrommel“, „Katz und Maus“ und „Hundejahre“, weil sie dem Autor den größten Ruhm gebracht haben. In „Blechtrommel“ ist der Erzähler (Oskar Matzerath) ein missachteter und geringgeschätzter Zeuge aller Ereignisse der Epoche, in der er lebt. Zu diesen Ereignissen hat er aber die nötige Distanz. In „Katz und Maus“ bewies der Autor, dass er trotz seinem schriftstellerischen Können auch erspart und diszipliniert schreiben kann. „Hundejahre“ dagegen zeigen Grass als einen Erzähler von unglaublichen Geschichten, die jedoch mit Realismus untermauert werden (ebd.:107).

In seinen anderen Werken kritisiert Grass beispielsweise die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts („Aus dem Tagebuch einer Schnecke“, das biographische Elemente beinhaltet). Berührt wird auch das Problem des Hungers („Der Butt“) oder der Berufung von Schriftstellern, die im Schrifttum gewisse Spuren hinterlassen („Das Treffen in Telgte“). Im Roman „Die Rättin“ wird eine apokalyptische Vision gezeigt, dass der Mensch in seiner krankhaften Verwirrung bald niederlegen wird.

Von der Bedeutung des Schriftstellers in der deutschen aber auch in der Weltliteratur zeugt nicht nur der Nobelpreis für Literatur, sondern auch andere Auszeichnungen (Köster 2008), z.B.: der Georg-Büchner-Preis (1965), die Carl-von-Ossietzky-Medaille (1967), der Theodor-Fontane-Preis (1968), der italienische Premio Viareggio (1978), der Große Literaturpreis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste (1994) und der spanische Prinz-von-Asturien-Preis (1999).

Literaturverzeichnis

Brauneck, M. (Hg.); Beck, W. (1995): Autorenlexikon deutschsprachiger Literatur des 20. Jahrhunderts. Überarbeitete und erweiterte Neuausgabe. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH, Reinbeck bei Hamburg.
Köster, Th. (2008): „Günter Grass.” Microsoft Encarta 2009 [DVD]. Microsoft Corporation.
Szyrocki, M. (1971): Historia literatury niemieckiej. Zarys. Wydanie drugie, poszerzone. Zakład Narodowy im. Ossolińskich – Wydawnictwo, Wrocław.
Wilpert, G.  von (1988): Deutsches Dichterlexikon: biograph.-bibliograph. Handwörterbuch zur dt. Literaturgeschichte. Dritte, erweiterte Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart.
Zybura, M. (Hg.); Dąbrowska-Jędrych, D.; Matkowska, A. (1996): Pisarze niemieckojęzycznik XX wieku. Leksykon encyklopedyczny PWN. Wydawnictwo Naukowe PWN, Warszawa, Wrocław.

Foto: Elisa Cabot, Wikipedia

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Komentarze: 1
  1. Schneewittchen

    Bardzo ciekawy post. Napisany przystepnym jezykiem i wartosciowy. Grass przoduje na mojej liscie niemieckiej literatury do przeczytania w oryginale.

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